Keeping Net Art Alive: Self-Healing VMs and a Caching Wayback Proxy
iPRES 2026 — 22. International Conference on Digital Preservation, Session 53 „Artworks Rescue and Repair“ · Kopenhagen (remote aus Karlsruhe gehalten)
Begutachtetes Full Paper auf der iPRES 2026, der 22. International Conference on Digital Preservation (Kopenhagen, 21.–25. September 2026), vorgestellt am 22. September in Session 53, Artworks Rescue and Repair. Ein begleitender Workshop, Keeping Net Art Alive: Open-Source Tools for Self-Healing Exhibition Systems, wurde für dieselbe Konferenz angenommen.
Das Problem
Wer historische Browser-Kunstwerke ausstellt, muss zwei Probleme lösen, die erst im Dauerbetrieb sichtbar werden: Veraltete Software-Umgebungen müssen monatelang zuverlässig laufen, und die historischen Web-Inhalte, von denen die Werke abhängen, müssen erreichbar bleiben, auch wenn ihre Quelle ausfällt.
Das Paper berichtet aus Choose Your Filter! Browser Art since the Beginnings of the World Wide Web (ZKM, Februar–August 2025). Acht Werke aus den Jahren 1997–2003 liefen über sechs Monate auf zwölf eigenen Rechnern in virtuellen Windows-XP-Maschinen.
Was dabei entstanden ist
Ein VM-Controller, gebaut für ein einziges Werk — Eden.Garden (2001) von Entropy8Zuper!, das ein eingestelltes 3D-Plugin, einen toten Server und einen toten Browser brauchte —, ließ sich ohne grundlegende Änderungen auf alle acht Werke übertragen. Als Ausfälle des Internet Archive drei archivabhängige Werke auf leere Bildschirme schickten, wurde die Grenze dieses Ansatzes ebenso deutlich: Zuverlässige Laufzeit-Infrastruktur reicht nicht ohne zuverlässige Auslieferung der Inhalte.
Daraus sind zwei Open-Source-Werkzeuge entstanden, beide unter MIT-Lizenz:
- Exhibition VM Controller — snapshotbasierte Fehlerbehebung und modulares Gast-Monitoring.
- Wayback Cache Proxy — Prefetch-Crawler, zweistufiger Cache und WARC-Export.
Ergebnisse aus sechs Monaten Betrieb
- Jeder Fehler innerhalb der VM wurde automatisch behoben. Eingefrorene Gastsysteme, abgestürzte Anwendungen, festgefahrene generative Logik und verlassene Besuchersitzungen kehrten innerhalb von Sekunden zum getesteten Snapshot zurück. Nach zwei Stromausfällen kamen alle zwölf Systeme ohne Eingriff in ihren Sollzustand zurück.
- Jeder menschliche Eingriff hatte eine Ursache außerhalb der VM. Eine Fremdbibliothek für die undokumentierte DuckDuckGo-API brauchte in sechs Monaten elf Updates; Ausfälle des Internet Archive legten drei Werke gleichzeitig lahm; Cookie-Banner auf Live-Websites störten automatisiertes Browsen.
- Das Abhängigkeitsprofil bestimmt den Wartungsaufwand. Vollständig offline laufende Werke waren nahezu wartungsfrei; Werke mit archivierten Inhalten erreichen mit Prefetching fast Offline-Stabilität; Werke mit Live-Internetdiensten bleiben fragil, egal welche Infrastruktur darunter liegt.
- Der Snapshot ist die Konservierungseinheit. Das komplette Eden.Garden-System wurde auf einen anderen Rechner kopiert und lief bei Rhizome World in New York ohne erneute Restaurierung, betreut von Personal, das nicht daran gearbeitet hatte.
Die ausführlichere Zeitschriftenfassung dieser Arbeit ist der Titelbeitrag in IEEE Computer.